Van Morrison: T.B. SheetsDer Typ ist total überfordert. Ein Arschloch. Er lässt seine Freundin im Stich, als sie ihn besonders nötig braucht, weil sie Tuberkuloseschweiß in ihr Kissen schwitzt. Er kommt mit der Situation nicht klar. Er hat nichts Besseres zu tun, als sich anzuschicken, sich aus dem Staub zu machen, weil ers nicht aushält. Überdrogt und überfordert. Oder einfach noch zu jung, um damit umzugehen, dass es ausnahmsweise nicht er es ist, dem es dreckig geht. Diese Art von Typen, die so nervös sind, dass sie die ersten Worte eines Satzes erst wiederholen müssen, bevor sie ihn zuende sprechen können. Drogen haben seine Sinne hypergeschärft, er riecht das schweißnasse Kissen und hälts nicht mehr aus. Er hat das Gefühl, nicht mehr atmen zu können und muss unbedingt das Fenster öffenen, weil er keine Luft mehr bekommt. Das Zimmer wird kalt und kälter. Aber er riecht immer noch den Tuberkuloseschweiß. Er erfindet irgendwelche Ausreden, um von ihrem Bett verschwinden zu können. Sie sagt nur „Bitte bleib“. Aber er hälts nicht mehr aus: Ich schick dir später jemanden vorbei. Später, Baby. Muss vorher nochn paar Sachen erledigen. Ich komm wieder mitn paar Freunden und ner Flasche Wein für dich, Baby. Keine Angst, ey, keine Angst. Mach dir keinen Kopf. Ich muss jetzt aber gehen, ich muss gehen, ich MUSS GEHEN, ich muss gehen Baby. I gotta go, gotta go, gotta go, gotta go, gotta go, And all right, all right. Er macht das Radio an. „I’LL TURN ON THE RADIO!“ schreit er sie an, er tut so, als würde er es für sie machen, aber als er ihr das erklärt, ist er kurz vorm Überschnappen. Aber er schafft es nicht zu gehen, denn sie geht vor ihm. „There you go, there you go, there you go, Baby, there you go“.
Eine böse Geschichte, im Sommer der Liebe - 1967 - von Van Morrisson ohne Manierismen oscarreif gesungen. Die Musik ein zehnminütiger, federnder Blues, angesichts den Inhalts, der da verhandelt wird, ein zynisch federnder Blues. Hugh McCracken an der Gitarre, ein Keyboard, ein hallender Sound, als hätte jemand im Studio das Fenster geöffnet… Seit ich den Text kenne, hasse ich es eigentlich.